TIPP AUS DEM SCOPE-ARCHIV
„Die Schlacht an der Neretva“: Ein zu Unrecht vergessener europäischer Großfilm
Mit einem für europäische Verhältnisse ungewöhnlichen Aufwand entstand 1969 unter der Regie von Veljko Bulajic der monumentale Kriegsfilm „Die Schlacht an der Neretva“. Zu seiner Zeit galt das Werk als teuerster Film, der jemals in Osteuropa gedreht wurde. Die Blu-ray mit einem vom Originalnegativ abgetasteten HD-Bild entreisst das Epos um den Partisanenkrieg jetzt der Vergessenheit.
Niemand anderes als der zur Entstehungszeit des Films machthabende jugoslawische Staatschef Tito segnete den Dreh des Kriegsfilms „Die Schlacht an der Neretva“ in seinem Land ab und unterstützte die immens aufwändige Produktion erheblich. Der Chance, groß auf der Leinwand zu sehen, wie sich kommunistische Partisanen heldenhaft gegen eine faschistische Übermacht behaupten, konnte Tito nicht widerstehen. Der Film erzählt eine Geschichte aus den Wirren des Kriegsjahres 1943, als die Armeen der Achse eine Landung der Allierten auf dem Balkan befürchteten. Die Invasion wurde in Bosnien erwartet, das noch frei war und fest in der Hand der Partisanen. Um dieser Landung zuvorzukommen, befahl Hitler den Angriff mit dem Ziel, ganz Jugoslawien zu besetzen und Titos Truppen zu eliminieren. Bei ihrem Überfall wurden die Deutschen und Italiener von militärisch organisierten jugoslawischen Truppen, die ihrerseits die kommunuistischen Partisanen bekämpften, unterstützt: Von den faschistischen Truppen der Ustaschi und von den Tschetniks. Die Offensive aller dieser Truppen gegen die verzweifelt kämpfenden Partisanenen ging in die Geschichtsbücher ein als die „Schlacht an der Neretva“.

Obwohl stark vom Wohlwollen Titos abhängig, gelang Regisseur Veljko Bulajic bei der Realisierung des Films, der eine Produktionszeit von 16 Monaten in Anspruch nahm, dennoch ein nuanciertes und differenziertes Werk und darüber hinaus eine Materialschlacht, wie es sie zuvor in Osteuropa noch nie für einen Film gegeben hatte. Unterschiedliche Subplots setzte Bulajic zu einem gigantischen Schlachtengemälde zusammen bei dem auch die Herausarbeitung und intensive Psychologisierung einzelner Protagonisten nicht auf der Strecke blieb. Und so spielen die drastisch realistischen Kampfszenen eine Hauptrolle neben internationalen Stars wie Yul Brynner, Hardy Krüger, Franco Nero, Orson Welles und Curd Jürgens in einer Glanzrolle als General Lohring.

Dynasty Film hat das Kriegseops aufwändig restauriert und auf Blu-ray sowohl in einer herkömmlichen Amaray-Version wie auch als Limited Collector’s Edition im Mediabook veröffentlicht. Für den Release hat der Anbieter ein neues HD-Master erstellt, das über weite Strecken überzeugen kann. Teilweise ist das Bild allerdings auch sehr verrauscht. Und auch die Farbkorrektur hätte befriedigender ausfallen können. Ein übertriebener Rotstich zieht sich durch den gesamten Film, der vor allem auf Gesichtern in vielen Szenen äußerst störend wirkt. Der Ton ist nicht frei von Rauschen -– und das betrifft neben der originalen Monospur auch den neu angefertigten 5.1-Track in DTS HD Master Audio. Im übrigens gibt es leider nur die deutsche Synchronisation auf der Disc. Neben der Blu-ray hat Dynasty den Film im Mediabook auch auf einer zusätzlichen DVD untergebracht. Diese Disc enthät als Extra einen 90-minütigen Bonusfilm über die Ursachen, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs führten. Die Dokumentation wird präsentiert vom ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger. Außerdem darf man sich bei der Collector’s Edition noch über ein 24-seitiges Booklet freuen.

Selten wurde in einem Nicht-Hollywood-Kriegsfilm eine derartig entfesselte Kriegsmaschinerie auf die Leinwand gebracht. Die ausufernden Massenszenen, gepaart mit grandiosen Darstellern (wenn auch gerade die großen Namen wie Yul Brynner eher kleine Auftritte haben, die primär dazu dienten, einfach den Namen auf das Kinoplakat zu bringen, heben „Die Schlacht an der Neretaetva“ in jedem Fall aus der Masse der Kriegsfilme heraus. Insofern ist das Werk ganz sicher wert, jetzt wiederentdeckt zu werden.