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Academy Awards 2015: Die Gewinner und Verlierer der 87. Oscar-Verleihung
Neil Patrick Harris führte durch die 87. Verleihung der Academy Awards.
Siegerfilm der diesjährigen Oscar-Verleihung ist „Birdman“ von Alejandro González Iñárritu, der zudem auch noch den Goldjungen für die „Beste Regie“ mit nach Hause nehmen konnte. Mit ihrer Darstellung einer an Alzheimer erkrankten Professorin überzeugte Juliane Moore die Academy. Genau wie „Birdman“ erhielt auch „Grand Budapest Hotel“ vier Trophäen – allerdings nur in Nebenkategorien.
Vier Oscars gab es bei der Verleihung der Academy Awards 2015 für „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“. Das ambitionierte Werk von Regisseur Alejandro González Iñárritu wurde in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Beste Kamera“ und „Bestes Originaldrehbuch“ ausgezeichnet. Ebenso viele Goldjungen gingen an Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“. Da die Tragikomödie jedoch nur in den Nebenkategorien „Beste Filmmusik“, „Bestes Kostümdesign“, „Bestes Makeup und Hairstyling“ sowie „Bestes Produktionsdesign“ gingen, blieb das Ergebnis doch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Auch Clint Eastwood hatte sich für sein sechsfach nominiertes Drama „American Sniper“ sicher mehr erwartet - der Film erhielt am Ende lediglich einen Oscar für den „Besten Tonschnitt“. Auch die Hoffnungen des deutschen Regisseurs Wim Wenders für eine Auszeichnung seines biographischen Dokumentarfilms „Das Salz der Erde“ erfüllten sich nicht. Der Academy Award der Kategorie „Beste Dokumentation“ ging stattdessen an Dirk Wilutzky, Laura Poitras und Mathilde Bonnefoy für die Polit-Doku „Citizenfour“ über Whistleblower Edward Snowden – immerhin von dem Deutschen Dirk Wilutzky co-produziert.

Die Darstellerpreise wurden in den Kategorien „Bester Darsteller in einer Hauptrolle“ an Eddie Redmayne für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ sowie J.K. Simmons als „Bester Darsteller in einer Nebenrolle“ für „Whiplash“ verliehen. Als „Beste Darstellerin in einer Hauptrolle“ wurde Julianne Moore für ihre großartige Performance einer an Alzheimer erkrankten Professorin in „Still Alice“ geehrt. Der Oscar der Kategorie „Beste Darstellerin in einer Nebenrolle“ ging an Patricia Arquette für „Boyhood“ - ein Film, der damit seinen einzigen Oscar abräumen konnte und im Vorfeld mit sechs Nominierungen ebenfalls sehr viel höher gehandelt worden war.

Große Überraschungen oder gar Skandale hatte die 87. Oscar-Verleihung nicht zu bieten. „How I Met Your Mother“-Star Neil Patrick Harris schlug sich als Moderator der wichtigsten Filmpreisverleihung der Welt wacker, landete aber nicht immer treffsichere Pointen. Sein Gag über das Kleid von Dana Perry war, kurz nachdem sie das Publikum in ihrer Dankesrede über Selbstmord als Tabu der Gesellschaft aufgerüttelt hatte, wenig passend. Als Harris dann in Anspielung auf den späteren Siegerfilm „Birdman“ nur in Unterwäsche auf die Bühne kam, fanden das zumindest die meisten Zuschauer noch mehr oder weniger originell.

Emotionale Momente durften natürlich auch in der diesjährigen Oscar-Nacht nicht fehlen: So fiel die Dankesrede der für das beste Kostümdesign ausgezeichneten Designerin Milena Canonero tränenreich und überschwänglich aus. Zudem zog sich sich das Thema über Rassismus in der Filmbranche durch den ganzen Abend, denn schon vor der Verleihung hatte die Behandlung des Bürgerrechtsdramas „Selma“ für Aufsehen gesorgt, vor allem weil weder die Regisseurin Ava DuVernay noch Martin Luther King Jr.-Darsteller David Oyelowo für einen Oscar nominiert wurden. Als dann wenigstens die Trophäe für den besten Filmsong an „Selma“ ging, machte Preisträger John Legend darauf aufmerksam, dass „heute mehr Schwarze unter Kontrolle der Justiz seien als zu Zeiten der Sklaverei“. Mit einem Mut machenden Aufruf „Wir sind bei euch. Lauft weiter!“ trieb er nicht nur David Owoleyo Tränen in den Augen und erhielt für seine Rede schließlich Standing Ovations. Und welcher Filmliebhaber bekam nicht ebenfalls feuchte Augen beim Auftritt der großen Julie Andrews, die (nach einem zugegeben großartig vorgetragenen „Sound of Music“-Medley von Lady Gaga) selbst mit 80 Jahren noch mehr Glamour und Star-Appeal verströmte als alle Preisträger der Oscar-Nacht 2015 zusammen.

Und hier für Sie zusammengefasst alle Gewinnerfilme und Preisträger im Überblick:

Bester Film: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Beste Regie: Alejandro González Iñárritu für Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Beste Darstellerin einer Hauptrolle: Julianne Moore für Still Alice

Bester Darsteller in einer Hauptrolle: Eddie Redmayne für Die Entdeckung der Unendlichkeit

Bester Darsteller in einer Nebenrolle: J.K. Simmons für Whiplash

Beste Darstellerin in einer Nebenrolle: Patricia Arquette für Boyhood

Bester fremdsprachiger Film: Ida (Polen)

Beste Dokumentation: Laura Poitras, Mathilde Bonnefoy und Dirk Wilutzky für Citizenfour

Bester Kurzfilm: Mat Kirkby und James Lucas für The Phone Call

Bester Dokumentar-Kurzfilm: Ellen Goosenberg Kent und Dana Perry für Crisis Hotline: Veterans Press 1

Bester Filmsong: John Stephens und Lonnie Lynn für Selma

Beste Filmmusik: Alexandre Desplat für Grand Budapest Hotel

Beste Kamera: Emmanuel Lubezki für Birdman

Bester Schnitt: Tom Cross für Whiplash

Bestes Originaldrehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. und Armando Bo für Birdman

Bestes adaptiertes Drehbuch: Graham Moore für The Imitation Game

Bester Ton: Craig Mann, Ben Wilkins und Thomas Curley für Whiplash

Bester animierter Film: Don Hall, Chris Williams und Roy Conli für Baymax - Riesiges Robowabohu

Bester Animierter Kurzfilm: Patrick Osborne und Kristina Reed für Liebe geht durch den Magen

Bester Tonschnitt: Alan Robert Murray und Bub Asman für American Sniper

Bestes Kostümdesign: Milena Canonero für Grand Budapest Hotel

Bestes Makeup und Hairstyling: Frances Hannon und Mark Coulier für Grand Budapest Hotel

Beste visuelle Effekte: Paul Franklin, Andrew Lockley, Ian Hunter und Scott Fisher für Interstellar

Bestes Produktionsdesign: Adam Stockhausen und Anna Pinnock für Grand Budapest Hotel
„Birdman“ von Alejandro González Iñárritu ist mit vier Auszeichnungen in den wichtigsten Kategorien Sieger der diesjährigen Oscar-Verleihung.
Alejandro González Iñárritu freut sich über den Regie-Oscar für seinen Film „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“.
Ralph Fiennes (ganz rechts) in Wes Andersons Film „Grand Budapest Hotel“, der von der Academy ebenfalls mit vier Oscars prämiert wurde.
Julianne Moore begeisterte die Academy-Jury mit ihrer Darstellung als an Alzheimer erkrankte Professorin Alice Howland – und gewann damit den Oscar als „Beste Hauptdarstellerin“.
Wieder einmal geht der Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ an die Walt Disney Animation Studios - in diesem Jahr für den Trickfilmspaß „Baymax – Riesiges Robowabohu“.