REVIEW
Nicht nur „Kini“-Fans freuen sich über die
Blu-ray-Premiere von „Ludwig II.“ Zu Recht?
Bereits im Vorfeld der Blu-ray-Veröffentlichung von „Ludwig II.“ herrschte bei den Fans Verwirrung bezüglich der Disc-Ausstattung und der Laufzeit, die kürzer ist als bei den bislang erschienenen DVD-Editionen. Ist die HighDef-Variante von Viscontis Meisterwerk also eine geschnittene Version? Wir klären Sie auf und haben die Disc natürlich auch sonst ganz genau für Sie unter die Lupe genommen.
Der Film
Die von Regisseur Luchino Visconti ursprünglich gedrehte Vier-Stunden-Fassung seines ambitionierten Meisterwerks „Ludwig II.“ wurde zunächst nie gezeigt und bekam im Lauf der Jahrzehnte den Status einer Legende. Umso erfreulicher wurde im Jahr 2000 die erste DVD-Veröffentlichung aufgenommen, die den Film bereits restauriert in dem ursprünglich von Visconti favorisierten Cut präsentierte. Genau wie beim Re-Release der DVD im Rahmen der ARTHAUS-Premium-Reihe sieben Jahre später war die Lauflänge jeweils mit stolzen 247 Minuten angegeben. Die Blu-ray läuft 238 Minuten, müsste aber, aufgrund der unterschiedlichen Wiedergabegeschwindigkeit, die bei Blu-rays analog zum originalen Kinofilm 24 Bilder pro Sekunde beträgt, eigentlich sogar höher ausfallen als bei der DVD-Variante, die PAL-bedingt mit 25 Bildern pro Sekunde wiedergegeben wird. Also wieder einmal eine geschnittene „Ludwig“-Version?

„Kini"-Anhänger und Cineasten dürfen gleichermaßen aufatmen: „Ludwig II.“ ist auf Blu-ray-Disc ungekürzt in seiner längsten bekannten Fassung erschienen! Die unterschiedlichen Laufzeitangaben resultieren aus der Tatsache, dass sich auf der DVD die italienische Integral-Version befindet. Hierbei wurde der Film in fünf Teile aufgesplittet, die jeweils immer wieder mit dem Vorspann beginnen und einem Abspann enden. Und eben dadurch kommt die längere Laufzeit zustande – ohne dass mehr Filmmaterial vorhanden wäre. Bei der Blu-ray setzt ARTHAUS (zum Glück) die Filmfassung ohne Unterbrechungen durch ständige Wiederholungen der Vor- und Abspänne ein – wodurch sich die Laufzeit entsprechend reduziert.

Das Bild

Auch in Bezug auf die Bildqualität gibt es überwiegend nur Erfreuliches zu berichten: Der Film erscheint in seiner originalen Cinemascope-Ratio von 2.35:1 auf Blu-ray und bietet ein durchaus gelungenes Bild. Besonders hervorzuheben sind die natürlichen Farben sowie die Bildruhe, die nur in dunkleren Sequenzen in deutliches Rauschen übergeht. Die Bildschärfe ist gut, wenn auch nicht überragend – was vor allem auf größeren Bildschirmdiagonalen oder bei Wiedergabe über einen Beamer auffällt. Gerade bei Tageslicht-Totalen aber spielt die Blu-ray ihre visuelle Qualität voll aus und erreicht eine für 1080p-Verhältnisse fast perfekte Durchzeichnung.

Der Sound
Mono-Tonspuren liegen auf der Blu-ray in deutscher und italienischer Sprachfassung vor. Beide Soundtracks klingen wenig spektakulär, wurden aber zumindest in DTS-HD Master Audio auf die Disc gepresst. Die deutschsprachige Fassung klingt heller und luftiger als die etwas dumpfere italienische Tonspur, hat aber neben teilweise kratzigen Musikpassagen auch unter einem permanenten Grundrauschen zu leiden. Obwohl das für die später wiedereingefügten Szenen, die allesamt nachsynchronisiert werden mussten, nicht gilt, kann die neue Synchro mit überwiegend vollkommen unpassenden Stimmen der alten Tonfassung aus dramaturgischer Sicht nicht das Wasser reichen.

Die Extras
Der große Schwachpunkt der Blu-ray ist das völlige Fehlen jeglichen Bonusmaterials. Abgesehen von ein paar Trailern zu anderen Filmen aus dem ARTHAUS/Studiocanal-Programm bleibt die Suche nach Specials leider vergebens. Sehr bedauerlich, dass der Anbieter den Blu-ray-Käufern auch die Extras der Premium-DVD, darunter aufschlussreiche Dokumentationen über Luchino Visconti und Helmut Berger, missgönnt. Immerhin punktet die Veröffentlichung wenigstens noch mit einem Wendecover um das so bei Sammlern zu Recht so gehasste und unsinnige FSK-Frontlogo auf die Rückseite zu verbannen.

Käufer, die „Ludwig II.“ lediglich in der bislang bestmöglichen Qualität zuhause erleben wollen, dürfen bei der Blu-ray bedenkenlos zugreifen. Echte Fans des Märchenkönigs werden aber ihre alte ARTHAUS-Premium-Fassung wegen der aufwändigen Verpackung und der interessanten Features behalten und nur die Film-DVDs des 3-Disc-Sets durch die Blu-ray ersetzen – für eine dann nahezu perfekte Heimkinoversion von Viscontis genialer Hommage an „Ludwig II.“.