REVIEW
Einer der wegweisendsten Hollywood-Klassiker erstmals auf Blu-ray – und in unserem Check
Noch vor der Veröffentlichung in den USA ist Sam Woods Meisterwerk „Wem die Stunde schlägt“ in Deutschland auf Blu-ray erschienen. Seit 9. Juli 2015 ist das Drama mit Gary Cooper und Ingrid Bergman im Handel. Koch Media hat uns ein Exemplar zum Testen zur Verfügung gestellt. Bild, Ton, Ausstattung – wir sagen Ihnen, ob sich der Kauf der Blu-ray aus der „Masterpieces of Cinema“-Reihe lohnt.
Der Film
Für Cineasten und Filmkritiker zählt das 1943 entstandene Bürgerkriegs-Melodram „Wem die Stunde schlägt“ zu den wichtigsten Filmen der amerikanischen Kinogeschichte. Mit der Veröffentlichung des nach einem Roman von Ernest Hemingway inszenierten Klassikers hat Koch Media eine filmhistorisch bedeutsame Lücke im heimischen HD-Kino geschlossen. Als der Film kriegsbedingt erst sieben Jahre nach seiner Produktion in die deutschen Kinos kam, existierte nur noch eine um ca. 35 Minuten gekürzte Fassung. Die Blu-ray von Koch präsentiert außer dieser bekannten Version erstmals auch eine rekonstruierte Variante der ursprünglichen 165-Minuten-Fassung. Neben der Ouvertüre und der Pausenmusik enthält die Langversion auch mehrere relativ brutale Szenen, die nun erstmals seit der Premiere von „For Whom the Bell Tolls“ wieder zu sehen sind. Auch stellt die längere Version die Gesamthandlung in einen Kontext, der weniger auf die Liebesgeschichte zwischen Roberto und Maria reduziert ist als die geschnittene deutsche Kinoversion. Obwohl der Film neun Oscar®-Nominierungen erhielt, konnte letztendlich nur die griechische Schauspielerin Katina Paxinou die Trophäe für ihre wahrlich erinnerungswürde Performance als „Pilar“ mit nach Hause nehmen. Dennoch hat sich „Wem die Stunde schlägt“ längst seinen Platz in der Riege der größten Filme aller Zeiten gesichert.

Das Bild
Koch Media präsentiert „Wem die Stunde schlägt“ in beeindruckender Bildqualität im Originalkinoformat 1.37:1. Schärfe, Kontrast und Bildruhe geben kaum Anlass zur Kritik. Nur in den nachträglich wieder eingefügten Szenen schwächeln Kontrast und Farbgebung teilweise. Und auch die Schärfe behält hier nicht durchgängig ihr hohes Niveau. Die Farbgebung ist realistisch aber dezent – was dem Transfer teweilse angekreidet wurde. Man sollte hierbei jedoch bedenken, dass Regisseur Sam Wood schon bei der Herstellung des Films auf eine zurückgenommene Farbgebung bestanden hatte, da er kein kitschiges Technicolor-Liebesmelodram drehen wollte, das durch eine übertriebene Farbdramaturgie noch unterstrichen worden wäre. Die Farbgebung wurde von Natalie Kalmus überwacht, der Ehefrau von Technicolor-Mitbegründer Herbert T. Kalmus. Die bewusst eingesetzten natürlichen Farbnuancen werden dann auch von der Blu-ray unverfälscht wiedergegeben.

Der Sound
Neben der englischsprachigen Originalfassung befinden sich zwei deutsche Synchronisationen in dem 2-Disc-Set: Neben der bekannten Synchro von 1951 wurde 2003 auch eine neue deutsche Sound-Version erstellt um die Langfassung komplett in einer Tonfassung zeigen zu können. Von dieser Neu-Synchro kann man nur abraten! Die besondere Atmosphäre der alten Synchronfassung mit ihren hervorragenden Sprechern, die unter der Dialogregie von Alfred Vorher agierten, geht durch die seelenlose Neusynchronisation vollständig verloren. Bei der Langfassung kommt man allerdings zumindest bei den wiedereingefügten Szenen um die neue Synchro nicht herum, daher sollte man sich die 165-Minuten-Version am besten gleich in englisch anschauen und bei der Kinoversion die Stimmen der Ursynchro genießen. Natürlich muss angemerkt werden, dass die reine Tonqualität der neuen Synchro selbstverständlich besser ist als die Fassung aus den Fünfziger Jahren. Vorzuziehen ist die alte Tonversion aber in jedem Fall.

Die Extras

Koch Media hat „Wem die Stunde schlägt“ in der „Masterpieces of Cinema“-Reihe veröffentlicht. Dementsprechend ist der Film in einem wunderschönen Digibook mit eingearbeitetem 16-seitigem Booklet erschienen. Neben der zwei Filmfassungen (beide in HD), hat es auch das in der Reihe „Lux Radio Theatre“ entstandene Hörspiel zum Film auf die Disc geschafft. In dieser 50-minütigen Audiovision des Films wiederholten Gary Cooper, Ingrid Bergman und Akim Tamiroff ihre Rollen. Außerdem finden sich der deutsche und der amerikanische Kinotrailer in den Extras. Eine selbstablaufende (knapp 30 Minuten lange!) Bildergalerie mit zahlreichen Aushangfotos, Plakatmotiven und Behind-the-Scenes-Shots runden das Bonusprogramm ab. Leider fehlt jedoch ein Making-of oder eine sonstige Dokumentation, welche die Hintergründe dieses Hollywood-Meisterwerks hätte näher beleuchten können. Insgesamt aber wird die Blu-ray-Veröffentlichung von Koch dem Klassiker vollends gerecht. Und es ist eine wahre Freude, diesen Kinomeilenstein endlich in so hervorragender Bildqualität und in ungekürzter Fassung erleben zu können.