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Paramount verkürzt das Auswertungsfenster zwischen Kino und digitalen Plattformen
Wie groß muss das zeitliche Auswertungsfenster zwischen dem Einsatz eines Films im Kino und im Home Entertainment-Segment sein? Die Meinungen darüber gehen zwischen Kinobetreibern und HE-Marketingstrategen naturgemäß weit auseinander. Doch während Studios, Kinos und Wiedergabeplattformen weiter darüber diskutieren, schafft Paramount Pictures jetzt einfach Fakten.
Kaum noch vorstellbar heute, dass früher zwischen dem Start eines Films in den Kinos und der nächstmöglichen Zweitauswertung im linearen Fernsehen oft Jahre, in manchen Fällen gar Jahrzehnte vergingen. Zeiten, die sich Kinobetreiber heute wahrscheinlich zurück wünschen. Denn die Konkurrenz wird im digitalen Zeitalter immer größer: Waren es früher neben den TV-Sendern in erster Linie „nur“ die Videotheken, die Auswertungsfenster zwischen drei und sechs Monaten akzeptierten, verkürzte sich diese Zeitspanne im Lauf der Zeit immer mehr durch weitere Auswerter wie Pay TV-Anbieter oder Video-on-Demand-Plattformen. Und so steht, bedingt vor allem durch eine immer rasanter zunehmende Medienauswertung durch VoD und Digital Sellthrough, das Kinofenster wieder einmal prinzipiell auf dem Prüfstand.

Paramount Pictures prescht nun mit einem Versuch vor, der für Aufsehen sorgt: Mit der Franchise-Fortsetzung „Paranormal Activity 5: Ghost Dimension“ (2. und 3. Bild von oben rechts sowie Trailer am Ende des Textes) startet in den USA am 23. Oktober ein Kinofilm, der bereits 17 Tage später hochoffiziell auf digitalen Plattformen verfügbar sein wird. Das gab es so bislang noch nicht. Gleichermaßen soll kurz darauf mit dem Comedy-Horror „Scout’s Guide to the Zombie Apocalypse“ (Bild ganz unten) verfahren werden. Ist damit zumindest in Amerika ein Aufstand der Kinobetreiber vorprogrammiert? Voraussichtlich eher nicht! Denn Paramount hat sich zur Absicherung etwas einfallen lassen: Man will die Kinoketten, die diese experimentelle Auswertungsmethode mittragen, 90 Tage lang prozentual und abhängig von deren Marktanteil an allen Umsätzen beteiligen die durch die VoD-Auswertungen erzielt werden. Damit will es der Major zunächst möglichst jedem Auswerter recht machen und sich nicht den Zorn der großen Kinoketten zuziehen. Gleichzeitig versucht Paramount durch den Feldversuch aber natürlich auch, das Maximum an Erlösen aus seinem aktuellen Filmcontent zu erzielen.

Noch gibt es außerhalb der USA keine entsprechenden Testpläne von Paramount oder anderen Film-Majors. Gespannt und mit großem Interesse aber wird die Filmwelt die Ergebnisse dieses Experiments in jedem Fall verfolgen. In das bestehende Ertragsmodell von Kinofilmen kommt also wieder einmal Bewegung – mit ungewissem Ausgang, aber in jedem Fall mit Möglichkeiten, die die Filmwirtschaft durch die sich neu ergebenden digitalen Auswertungspotenziale radikal verändern könnte.