UNTERHALTUNGSELEKTRONIK
Bedeuten High Dynamic Range und Dolby Vision das Ende der ultradünnen Flat-TVs?
Der Preis für hellere und kontrastreichere
Bilder: Fernseher scheinen wieder
etwas dicker zu werden.
Kommende Generationen ultrahochauflösender Fernseher sollen mit High Dynamic Range und Dolby Vision Bilder von nie gekannter Brillanz in die Wohnzimmer zaubern. Die technischen Parameter der Kontrast- und Helligkeitswerte klingen verlockend. Doch in die bislang immer dünneren Flat TVs lässt sich die Technik nicht einbauen. Werden Fernseher also wieder dicker? Oder schlägt jetzt die Stunde für OLED TVs?
Geht es um neue Bildwiedergabetechniken im 4k-Zeitalter stößt man immer wieder auf zwei Systeme: High Dynamic Range (HDR) und Dolby Vision. Durch beide Panel-Technologien werden Fernsehbilder kontrastreicher und deutlich heller. Doch die höhere Leuchtdichte hat auch einen unübersehbaren Nachteil – sie könnte das vorläufige Ende der ultradünnen Flat TVs bedeuten.

Schon zur IFA 2015 sollen erste Fernseher gezeigt werden, die in der Lage sind High-Dynamic-Range-Inhalte darzustellen. Das HDR-System erreicht eine Leuchtdichte von ca. 700 cd/qm. Noch weiter wollen die Dolby Laboratories mit dem neu entwickelten Standard Dolby Vision gehen, bei dem durch zusätzliche Bildinformationen unter anderem bessere Kontraste realisiert werden können. Dolby setzt hierbei auf eine Technik, die Bildinhalte 1:1 vom Ausgangsmaterial wiedergibt, während Inhalte bei HDR erst von der TV-Hardware hochgerechnet werden.

Beide Systeme wollen sowohl Schwarz- wie auch Helligkeitswerte optimieren und gleichzeitig alle Farben intensiver wirken lassen. Die dafür erforderliche Hardware-Technik stellt die Hersteller von TV-Geräten allerdings vor ein Problem. Denn mit bisherigen platzsparenden Edge LED-Dioden lässt sich weder HDR noch Dolby Vision umsetzen. Ganz im Gegenteil verlangen beide Techniken nach einem hochentwickelten Local Dimming mit lokal ansteuerbaren Dioden – und dafür sind wiederum Geräte mit höherer Bautiefe erforderlich.

Eigentlich müsste hier die OLED-Technik, mit selbst leuchtenden Pixeln, eine alle Probleme lösende Alternative darstellen. Die meisten Hersteller aber wenden sich aufgrund der noch immer kompliziert herzustellenden und dementsprechend teuren Panel-Technik eher wieder von ihr ab. Selbst ein Anbieter wie Samsung, der in der Vergangenheit bereits OLED-Fernseher im Portfolio hatte, baut seine neuesten Curved-UHD-Fernseher wieder mit konventioneller LCD-Technik – und nimmt dabei in Kauf, dass die Geräte wieder dicker hergestellt werden müssen als manches Vorgängermodell.

Dolby hat bereits öffentlich verkündet, dass Dolby Vision mit Edge LED-Technik schlichtweg nicht umsetzbar ist. Auch bislang vorgestellte HDR-Prototypen von Toshiba, Philips und Hisense fallen nicht gerade durch eine dünne Bauweise auf.

Erste Fernseher mit High Dynamic Range werden auf der IFA 2015 zu sehen sein. Ob auch bereits marktreife Geräte mit Dolby Vision gezeigt werden, ist derzeit noch ungewiss. In jedem Fall scheinen zwei Trends der kommenden TV-Gerätegeneration schon jetzt überdeutlich: Die Bilder werden noch heller und kontrastreicher – und die Fernseher wohl wieder dicker.
Die Dolby Vision-Studie soll zeigen, wie deutlich sich die Bildbrillanz durch den Einsatz des Systems aus den Dolby Laboratories verbessert.